IRONMAN kommentiert

Fragwürdige Emanzipation

Kommentar zur unsinnigen Forderung von einigen Profi-Triathletinnen

Von M. Münz | 22. November 2015

Wie das amerikanische Online-Magazin "Triathlete" bereits im August berichtete, sind nach Aussage des WTC-Chefs Andrew Messick einige Profi-Triathletinnen mit der Forderung an ihn herangetreten, die Quote der bei IRONMAN Hawaii und IRONMAN 70.3 WM startberechtigten Profi-Frauen zu erhöhen.

Ein Schlag ins Gesicht der männlichen Triathlon-Profis: Die absurde Forderung einiger Profi-Frauen bezüglich der Anpassung der Startplatzquoten bei IRONMAN Hawaii und IRONMAN 70.3 WM

Ein Schlag ins Gesicht der männlichen Triathlon-Profis: Die absurde Forderung einiger Profi-Frauen bezüglich der Anpassung der Startplatzquoten bei IRONMAN Hawaii und IRONMAN 70.3 WM

Derzeit können sich 35 Profi-Frauen und 50 Profi-Männer (ohne die Startplätze für IRONMAN- und IRONMAN-70.3-Weltmeister/ -innen) über die beiden Profiranglisten für IRONMAN Hawaii bzw. IRONMAN 70.3 WM qualifizieren. Die Frauenquote beträgt also etwa 41 %. Nicht fair sei die Disbalance zwischen Profi-Frauen und -Männern, wie einige überemanzipierte Profi-Damen fälschlicher Weise glauben. Sie fordern allerdings nicht unbedingt die Aufstockung ihrer Startplätze, sondern, etwas überheblich, gleich dieselbe Anzahl an Startplätzen, wie sie den männlichen Berufskollegen von der WTC zugestanden wird, auch wenn die entsprechende Anpassung durch eine Reduzierung der Startplätze der Profi-Männer auf das aktuelle Frauenniveau umgesetzt würde. Kein Wunder also, dass man(n) sich hin und wieder fragt, was im Hirn von manch einer Frau vorgeht...

Vor der Äußerung eines solch abwegigen Anliegens, hätte Frau sich mit den relevanten Daten vertraut machen sollen, die die derzeitigen Quoten mehr als rechtfertigen. Es ist nun einmal so – und das ist der zentrale Punkt bei dieser Diskussion, der eigentlich allgemein bekannt sein sollte – dass generell weniger Frauen als Männer in der Triathlon-Szene aktiv sind. Diese Tatsache schlägt sich natürlich auch in den beiden Profi-Ranglisten (Kona und 70.3) nieder, die der WTC nicht nur als Qualifikationsgrundlage für IRONMAN Hawaii und IRONMAN 70.3 WM dienen, sondern offensichtlich näherungsweise auch zur Festlegung der Geschlechterquoten für die beiden Rennen. Im Rahmen beider Profi-Ranglisten betrug der Anteil der Profi-Frauen in den letzten beiden Jahren etwa 35 % der gesamten Profistarter. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die aktuellen Quoten der bei IRONMAN Hawaii und IRONMAN 70.3 WM startberechtigten Frauen (41 %) sogar zu hoch sind. Werden 50 Startplätze für Profi-Männer zugrunde gelegt, würden Profi-Frauen eigentlich nur etwa 27 zustehen. Bei genauer Betrachtung des Sachverhaltes sind also gegenwärtig die Profi-Männer die Benachteiligten und dass nicht nur in Bezug auf die Startplatzquoten. Der zusätzliche Nachteil in Form der höheren Leistungsdichte sollte in diesem Zusammenhang zwar ebenfalls erwähnt, aber auch vernachlässigt werden. Eine zu hohe Frauenquote hingegen vereinfacht die Qualifikation der Profi-Frauen gegenüber den Profi-Männern erheblich. Im Kontext der fortschreitenden Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft, müsste eine entsprechende Reduzierung der Startplätze der Profi-Frauen die logische Konsequenz sein. Die Forderung nach noch höheren Startplatzquoten für Profi-Frauen ist jedenfalls absolut unberechtigt, unlogisch, überflüssig und inakzeptabel, da zum einen ohne Grundlage und zum anderen die Benachteiligung der Profi-Männer, bei Umsetzung, weiter zunehmen würde. Glücklicherweise hatte Messick die relevanten Daten ausnahmsweise auf dem Schirm, denn er will die gegenwärtige Startplatzverteilung beibehalten, da sie von der WTC nach wie vor für fair und angemessen gehalten wird. Der paradoxen Forderung nach noch höheren Startplatzquoten für Profi-Frauen hat Messick damit zunächst eine Absage erteilt. Dennoch arbeite man bei der WTC daran, den Anteil von Profi- und Altersklassen-Frauen zu erhöhen, was auch zu mehr Startplätzen für Profi-Frauen bei IRONMAN Hawaii und IRONMAN 70.3 WM führen würde, so Messick. Mir stellt sich allerdings die Frage, warum man unbedingt die Frauenquote beeinflussen muss. Dass sich grundsätzlich bei einem (IRONMAN-)Triathlon auf natürliche Weise ergebende Verhältnis von Männern zu Frauen spiegelt nun mal das Interesse der Geschlechter an dem Sport. Auch bei Weltmeisterschaften in anderen Sportarten ist das Frauenfeld kleiner als das der Männer, wie beispielsweise bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften.

Neben der Startplatzquote werden Profi-Frauen bereits beim Preisgeld bevorteilt: Nur 35 Profi-Frauen konkurrieren um dasselbe Gesamtpreisgeld wie 50 Profi-Männer; beim IRONMAN Hawaii beispielsweise jeweils 325.000 US-Dollar. Das Preisgeld wird sowohl bei den Profi-Frauen wie auch den Profi-Männern bis zum 10ten Platz verteilt. Wenn es auch beim Preisgeld gerecht sein soll – unter Berücksichtigung der derzeitigen, zu hohen Frauenquote – dürften bei den Profi-Damen nur 227.500 US-Dollar ausgeschüttet werden, und auch nur bis zum 7ten Platz.

Mag sein, dass die aktuelle, absolute Anzahl an Startplätzen für Profi-Frauen bei den beiden IRONMAN WMs unangemessen ist aber darum geht es den Initiatorinnen der widersinnigen Forderung ja gar nicht. Vielleicht ist es durchaus sinnvoll, für Profi-Frauen beispielsweise 45 Startplätze bereitzustellen. Im Gegenzug müssten dann aber auch die Startplätze für Profi-Männer auf 83 aufgestockt werden, wenn es wirklich gerecht sein soll. Allerdings muss man hierbei aufpassen, dass der elitäre Charakter der beiden Rennen nicht verloren geht: Es sollten – insbesondere bei den Profis – nur die besten Athleten und Athletinnen am Start stehen, andernfalls verkommen die Wettbewerbe schnell zur Farce. Diese Gefahr ist bei zusätzlichen Startplätzen für Profi-Frauen durchaus gegeben.

Bleibt also nur zu hoffen, dass Mr. Messick nicht doch noch dem Quengeln einiger fehlgeleiteter Triathlon-Amazonen erliegt und stattdessen endlich die Startplatz- kontingente der Profi-Männer beim IRONMAN Hawaii und bei der IRONMAN 70.3 WM auf ein angemessenes, weniger diskriminierendes Niveau bringt...

 

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