IRONMAN Interviews

8 Fragen an Teilzeitprofi Jens Kaiser

TRI226 | 27. Oktober 2014

Jens Kaiser

Jens Kaiser ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine Paradedisziplin und Ehrgeiz ausreichen, um auf der Langdistanz respektable Erfolge zu erzielen. Den Grundstein für seine Top-10-Platzierungen bei großen Rennen legt der Teilzeitprofi – wie er sich selbst bezeichnet – beim Radfahren. Auf dem Rad gelingt es ihm fast immer, sein mangelndes Schwimmtalent zu kompensieren. Zuletzt konnte er das Anfang September eindrucksvoll beweisen, als er bei der Challenge Vichy, den Sieg vor Augen, kurz vor dem Ziel noch abgefangen und auf Platz 2 verwiesen wurde.
Jens hat relativ spät mit Triathlon begonnen und seinen ersten Ausdauerdreikampf im Alter von 23 Jahren absolvierte. Bis dahin spielten die 3 Disziplinen keine Rolle und beschränkten sich lediglich auf den Hausgebrauch. Das Kraulschwimmen hat er sich selbst beigebracht.
Nach einer abenteuerlichen und ernüchternden Saison mit der RSG Montabaur in der 1. Triathlon-Bundesliga 2004, wendete sich der Kaiser schließlich seiner wahren Bestimmung zu: der Langdistanz. Hierfür waren letzten Endes seine Schwimmschwäche, insbesondere aber seine Faszination für die lange Strecke ausschlaggebend. Dass das die richtig Entscheidung war und seinem Talent entgegen kam, zeigte sich erstmals 2005, als er mit 26 Jahren als gesamt 16ter beim IRONMAN Frankfurt debütierte.
Familie und Beruf sorgen bei Jens neben dem Sport für zusätzliche Abwechslung, fordern aber auch gute Planung und professionelles Zeitmanagement.

 

Jens Kaiser

TRI226: Jens, hast Du eine sportliche Vorausbildung genossen, bevor Du zum Triathlon kamst?

Jens: In meinem Fall von einer sportlichen Vorausbildung zu sprechen wäre übertrieben. Das Kraulen habe ich mir selbst beigebracht; darunter leide ich noch heute. Gelaufen bin ich schon früh, als Fußballer hinter dem Ball her; erst auf dem heimischen Bolzplatz und später im Verein. Darüber hinaus war ich anderen Sportarten gegenüber immer sehr aufgeschlossen und habe in Eigenregie auch viel ausprobiert. Falls Luftmatratzen-Treppen-Downhill irgendwann olympisch wird, werde ich vielleicht von meinen Vorkenntnissen profitiere.

TRI226: Warum hast Du mit Triathlon angefangen und wie war Deine Entwicklung?

Jens: Aufgrund schwindender Begeisterung und einer Knieverletzungen habe ich die Fußballschuhe an den Nagel gehängt bzw. in die Mülltonne geworfen. Als Ausgleich und Freizeitersatz habe ich mir dann ein Rennrad gekauft. Relativ schnell hatte ich das Verlangen nach mehr und die sonntäglichen Gruppenfahrten der RSG Montabaur waren mir nicht Wettbewerb genug. Triathlon hatte mich schon früher fasziniert und Jürgen Zäck war als regionaler Weltstar ein Vorbild. An meinem ersten Triathlon habe ich 2002 teilgenommen. Meine erste Saison absolvierte ich als Einzelkämpfer, dann schloss ich mich der RSG Montabaur an und stieg 2004 als Ersatzmann mit in die 1. Triathlon-Bundesliga auf. Nach dem sofortigen Wiederabstieg und der Erkenntnis als Kurzstreckler nicht viel zu taugen, versuchte ich mich auf der Langdistanz. Ein 16ter Platz beim IRONMAN Germany 2005 und die darauf folgende Einladung der DTU zu einem Nationalkaderlehrgang waren für mich Motivation und Antrieb genug, es weiter auf der Langdistanz zu versuchen.

TRI226: Was war bisher Dein größter Erfolg im Triathlon?

Jens: Das ist noch relativ frisch. Vor 3 Monaten hätte ich hier sicherlich den IRONMAN Regensburg 2012 angeführt (hier belegte Jens Platz 4 u.a. hinter Dirk Bockel und Michael Raelert / Anm. d. Red.). Jetzt ist es definitiv die Challenge Vichy. Ich konnte dort nahezu in allen Disziplinen eine gute Leistung zeigen und habe das Rennen 4,5 Stunden angeführt. Das ich nach 33 km beim Marathon überholt wurde und letztendlich nur Zweiter wurde mildert das Resultat nicht. Es zeigt mir vielmehr, dass ich ein solches Rennen gewinnen kann und es sich weiter lohnt daran zu arbeiten.

TRI226: Was sind Deine wichtigsten sportlichen Ziele für das nächste Jahr bzw. längerfristig?

Jens: In der nächsten Saison möchte ich mich, mit Hilfe meines neuen Trainers Sebastian Zeller, im Schwimmen verbessern. Bei meinen bisherigen Leistungen und aufgedeckten Schwächen sollte da was machbar sein.
Nach einem zweiten Platz bei einem internationalen Rennen (Challenge Vichy 2014 / Anm. d. Red.) dürfte mein Ziel und die logische Konsequenz für die Zukunft klar sein. Ein Sieg über die Langdistanz würde mir jedenfalls sehr gut gefallen und den könnte ich auch später bei meinen Enkeln zum angeben nutzen.
Langfristig möchte ich meine Kontakte und Erfahrungen im Sport nutzen um davon im beruflichen Leben zu profitieren. Mit 35 Jahren denke ich im sportlichen Bereich nicht mehr langfristig.

TRI226: Absolvierst Du eine wichtige Kerneinheit in der unmittelbaren Vorbereitung auf eine Langdistanz?

Jens: Ich arbeite seit diesem Sommer mit einem neuen Trainer. Aktuell ist für mich daher alles eine Art Überraschungspaket und es gibt völlig neue Kerneinheiten. In der unmittelbaren Wettkampvorbereitung folgen z.B. einmal wöchentlich Koppelläufe auf eine mit Intervallen gespickte Radeinheit. Das von Woche zu Woche besser werdende Gefühl und das Resultat der Einheiten geben mir dann das nötige Vertrauen in die eigene Stärke.

TRI226: Regeneration ist sehr wichtig. Wie viele Stunden schläfst Du in einer normalen Nacht?

Jens: Mein Ziel sind 8 Stunden pro Nacht. Da ich neben dem Sport noch arbeite und meine Familie gelegentlich einen anderen Stundenplan hat, fehlt es manchmal am notwendigen Schlaf. Glücklicherweise habe ich eine verständnisvolle Frau und werde in der unmittelbaren Vorbereitung und in harten Trainingsphasen auch mal vom Frühdienst freigestellt.

TRI226: Wie organisierst du berufliche Aufgaben, Familie und Training?

Jens: Dank meiner selbstständigen Tätigkeit kann ich meinen Tag flexibel gestalten. Dadurch lässt sich das Training gut unterbringen. Ich kann viel von zu Hause arbeiten und über den Tag auch Zeit mit der Familie verbringen. Das wiegt die oft fehlenden Wochenenden, Trainingstermine am Abend und die sportbedingte Urlaubsplanung zwar nicht auf, aber aufgrund meiner Konzentration auf die europäische Saison bleibt über den Winter mehr Zeit für Dinge abseits des Sports.

TRI226: Gibt es neben dem Triathlon eine andere Sportart, die Du gerne beherrschen würdest?

Jens: Schwimmen!

 

Profil von Jens Kaiser

Geburtsdatum:06.02.1979
Nationalität:Deutsch
Größe:1,84 m
Gewicht:74 kg
Beruf:Marketing Koordinator Muscle Milk Protein, Triathlon-Profi
Familienstand:Verheiratet, 2 Kinder
Triathlon seit:2002
Persönliche Bestzeiten: Triathlon Langdistanz: 8:21 h (Challenge Vichy 2014)

 

Die größten Erfolge von Jens Kaiser

2014

2. Platz Challenge Vichy (FRA / 3,8 - 180 - 42,2)

2013

2. Platz Köln Triathlon (3,8 - 180 - 42,2)

2012

4. Platz IRONMAN Regensburg (3,8 - 180 - 42,2)

2011

3. Platz Deutsche Meisterschaft Langdistanz in Köln (3,8 - 180 - 42,2)

Ergänzende Informationen

» IRONMAN Top-10-Konto von Jens Kaiser
» Offizielle Website von Jens Kaiser: www.jens-kaiser.net

IRONMAN Top-10-Konto

Wie viele Siege/Top-10-Platzierungen

hat: 

[ Nachname Athlet/-in ]

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