IRONMAN Interviews

Fahrradbiometrie-Spezialist Marcus Blenke erläutert, worauf es bei einer guten Sitzposition ankommt

TRI226 | 24. Juni 2009

Fahrradbiometrie

Der 33-jährige Trainer Marcus Blenke gilt in der Triathlon-Szene als Geheimtipp für schnelle Radzeiten beim IRONMAN. Als Experte für Biomechnik und Trainingssteuerung entwickelte der sympathische Rheingauer nach 3 Jahren aktivem Profiradsport und Trainerausbildung mit Fortbildungen im Bereich Bewegungsdiagnostik die Fahrradbiometrie. Zu den Kunden zählen nicht nur Radprofis, auch die Triathlonelite kommt nun seit Jahren zu Marcus Blenke um ihre Sitzposition zu optimieren. Darüber hinaus holen sich auch Fahrradhersteller Rat für die Weiterentwicklung ihrer Triathlonräder bei Blenke. TRI226 traf den Fahrradbiometrie-Spezialisten in der Rheingauer Sport-Diagnostik in Oestrich-Winkel und sprach mit ihm über seine Arbeit.

 

TRI226: Marcus, Dein Name fällt immer häufiger in der Triathlon-Szene, wenn es um eine optimale Sitzposition auf dem Rad geht. Was sind die häufigsten Fehler der Sitzposition bei Triathleten?

M.B.: Die häufigsten Fehler, die ich sehe beruhen darauf, dass die Amateure die Sitzposition von Profis kopieren und alles auf Aerodynamik auslegen wollen.

TRI226: Ist die Aerodynamik nicht entscheidend?

M.B.: Aerodynamik ist ein wichtiger Punkt im Kampf gegen die Uhr und den Wind. Aber der Triathlet muss auch noch ausreichend Kraft aufs Pedal bringen können. Was viele nicht berücksichtigen ist auch die Radbeherrschung. Schließlich will man mit seinem Rad auch trainieren und Spaß haben; was bringt es mir bei bester Aerodynamik nach 2 Stunden mit Nackenschmerzen vom Rad zu steigen. Die Aerodynamik ist nur ein Baustein einer guten Sitzposition. Eine perfekte Sitzposition ist ein Kompromiss aus Komfort, Kraftübertragung, Radbeherrschung und Aerodynamik.

TRI226: Geht es bei dir bei der Fahrradbiometrie mehr um Wissenschaft oder um Erfahrung? Ich habe gehört, dass Du stark das Körpergefühl der Athleten berücksichtigst.

M.B.: Wissenschaftliche Erkenntnisse sind wichtig aber ich vertraue mehr auf meine Erfahrung als auf wissenschaftliche Studien. Was bringt es dem Sportler, wenn er auf dem Rad sitzt und alle Messverfahren sagen, dass die Position perfekt ist, der Sportler aber kein gutes Gefühl hat. Die Anpassung erfolgt immer hochindividuell. Jeder Sportler ist schließlich unterschiedlich in seiner Beweglichkeit.

TRI226: Du arbeitest mit einer speziell entwickelten Computersoftware. Wie wichtig ist für Dich der Einsatz solcher Techniken?

M.B.: Mit dieser speziellen Software für Biomechanik kann ich gezielt Gelenkrotationen erkennen und in allen Trittphasen die relevanten Winkel berechnen. Dadurch kann ich dem Athleten zeigen was er falsch macht. Das visualisieren von Bewegungsabläufen macht es einfach und verständlich für den Sportler die Zusammenhänge ohne Fachlatein zu verstehen. Ich möchte keine Grafiken und Kraftkurven aufzeigen, sondern das reine Rad fahren. Durch zuviel Diagnostik verwirrt man häufig die Sportler und sammelt viel Datenmüll.

TRI226: Du verbindest die Fahrradbiometrie im Labor häufig direkt mit einer Trainingsausfahrt.

M.B.: Das ist in der Regel sehr wichtig. Man hat sehr viel Theorie über Bewegungsabläufe und Tritttechnik. Aber Rad fahren findet schließlich draußen statt. Für die Analyse ist es wichtig die Aufnahmen im Labor zu machen, da wir standardisierte Bedingungen haben und jeden Bewegungsablauf genau ansehen können. Aber draußen sitzt man häufig dann doch mal anders auf dem Rad wie auf dem Cyclus2 oder einem Rollentrainer. Auch nach 2 Stunden fahren werden sich die muskulären Bedingungen verändern. Bei der Ausfahrt findet immer noch mal ein Feintuning statt. Erst wenn der Sportler auf dem Rad selber spürt, dass seine neue Position auf seinem Rad besser ist, hat die Fahrradbiometrie ihr Ziel erreicht.

TRI226: Es kommen auch viele Radsportler und Triathleten mit Beschwerden im Bewegungsapparat zu Dir. Wie kannst Du ihnen helfen?

M.B.: Ich kann Fehlbewegungen erkennen, die auf eine falsche Sitzposition oder muskuläre Dysbalancen zurückzuführen sind. Ich selber mache aber nicht die medizinische Diagnostik. Ich arbeite in der Rheingauer Sportdiagnostik mit Dr. med. Ulrich Kau zusammen. Als erfahrenen Sportarzt und medizinischer Betreuer zahlreicher Olympia-Athleten und Verbandsarzt des deutschen Ruderverbandes kann hier im Anschluss die weitere medizinische oder manualtherapeutische Behandlung stattfinden. Bei orthopädischen Krankheitsbildern sollte immer ein Arzt dabei sein.

TRI226: Es zieht immer mehr Triathleten zu Dir in den Rheingau. Der kleine Weinort Oestrich-Winkel entwickelt sich zunehmend zu einer Art Leistungszentrum und Hochburg für den Triathlonsport. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

M.B.: Wir besitzen hier eine perfekte Logistik. In der Rheingauer Sportdiagnostik können wir sämtlich sportmedizinische Diagnostiken durchführen. Die Praxis ist offizielle Untersuchungsstelle des Landessportbundes Hessen und Außenstelle des deutschen Olympia-Stützpunktes. Dazu kommt natürlich die unmittelbare Nähe zu den größten Triathlonveranstaltungen in Deutschland, dem IRONMAN Frankfurt und dem IRONMAN 70.3 Wiesbaden, der auch durch den Rheingau führt. Ich glaube aber auch, dass es der Charme der wunderschönen Weinregion ist. Für Trainings-Camps und Lehrgänge stehen uns schöne Gästezimmer in Mitten der Weinberge zur Verfügung. Da kommt neben dem Sport auch der große Erholungswert der Landschaft dazu.

TRI226: Marcus, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg bei Deiner Arbeit.

M.B.: Vielen Dank.

Ergänzende Informationen

» Offizielle Website von Marcus Blenke: www.marcus-blenke.de

IRONMAN Top-10-Konto

Wie viele Siege/Top-10-Platzierungen

hat: 

[ Nachname Athlet/-in ]

6er-tipp.de - Der Lottozahlengenerator
ANZEIGEN
DKMS - Jeder Einzelne Zählt
ZURÜCK SEITENANFANG